Teufelsblick Part 1

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Chapter 1

Es war ein grauer Morgen, wie jeder andere auch, zumindest für mich. Ich schlenderte durch die Straßen und wusste nicht so genau wohin ich sollte. Ich begegnete einigen Leuten, die meisten von ihnen hektisch und aufgeregt, wahrscheinlich auf dem Weg zur Arbeit. Es war ein Tag, wie jeder andere auch, dachte ich. Ein stechender Schmerz in meinem Bein ließ mich aufzucken. Ich schaute mich um und sah eine Parkbank. Schnell, Yuki, schnell. Humpelnd erreichte ich die Parkbank, setzte mich hin und schaute  auf mein Bein herunter. Rot. Was war geschehen? Ich wusste es nicht. Wieder kamen Leute an mir vorbei. Einige schauten mich merkwürdig an, gingen aber weiter und alle ein wenig hektisch. Schließlich kam ein Mädchen, ca. 16 oder 17 Jahre alt, auf mich zu. „Ist alles in Ordnung?“, fragte sie mich mit einer freundlichen Stimme. Ich nickte. „Na da haste dir aber was ganz schön Schlimmes zugezogen. Was ist denn passiert?“ Ich saß stumm da und antwortete nicht. Noch nie hatte ich mit Leuten geredet. Noch nie waren überhaupt Menschen zu mir derart freundlich gewesen. Sie lächelte und nickte „Klar, ist schwer mit Leuten zu reden, die man nicht kennt.“ Ich schaute sie an und lächelte zurück. Sie war so nett zu mir. Ich war einfach nur verblüfft. „Sag was, Yuki! Los! Sie wartet doch nur darauf!“ ,sagte ich zu mir, aber ich schwieg weiterhin. „Natsuki“, flüsterte sie und anschließend wieder etwas lauter „Mein Name ist Natsuki.“ Sie lachte wieder. Ein schönes Lachen hatte sie. „Und wie heißt du?“ Verdammt! Dass diese Frage ausgerechnet kommen musste. Verfluchte Frage! Ich schaute auf mein Bein hinunter, es blutete so sehr. „Yuki“, sprach ich leise. Plötzlich ergriff Natsuki meine Hand. „Schön dich kennen zu lernen, Yuki!“ Ihr Lachen wurde wieder zu einem freundlichen Lächeln. „Wo wohnst du denn?“, fragte sie mich mit einem verwirrten Unterton. Ich schaute sie an, dann fiel mein Blick wieder auf den Boden. Sie verstand, nickte und sagte schließlich: „Ach so… du hast also gar kein Zuhause?“ Ich nickte. Ich hatte noch nie ein richtiges Zuhause gehabt. Als kleines Kind wurde ich ausgesetzt. Ein Kinderheim nahm mich auf, jedoch wegen meiner ängstlichen Art und meinem merkwürdigen Aussehen wollte mich keiner adoptieren, das Heim konnte mich an keine Familie weitervermitteln. Ich meine, wer bitte nimmt denn schon ein Kind mit einer außergewöhnlichen Augenklappe auf? Und dann fiel es mir wieder ein. Natsuki hatte sich nur wegen meinem Bein erkundigt anfangs. Ganz und gar nicht wegen meiner Augenklappe. Und ich hoffte so sehr, dass sie mich auch nie im Leben darauf ansprechen würde. „Komm doch mit“, sprach sie mit einem etwas zögerlichen Unterton „also mit mir. Ich denke, meine Eltern haben nichts gegen Kinder.“ Verwundert über ihre Frage und ein wenig  glücklich über ihr ein Angebot, überlegte ich kurz und nickte schließlich. Ich stand auf und brach dann gleich danach wieder auf der Bank zusammen. Mein Bein schmerzte zu sehr. Natsuki aber, hielt noch immer meine Hand, sie half mir wieder hoch und nahm mich schließlich auf ihren Arm. „…aber ich mach dir deine Klamotten doch ganz dreckig“, sagte ich. Ich hatte mich getraut etwas zu sagen! „Ist nicht schlimm, müssen sowieso wieder in die Waschmaschine“, antwortete sie kurz und ging weiter. Ich kannte den Weg zwar nicht, aber wir oder eher sie ging eine ganze Weile durch den großen Park. Schließlich durch einen kleinen Stadtteil und schließlich kamen wir an einem großen beigen Haus an. Haus – ach quatsch. Wohl eher mehr eine Villa! „Hier wohne ich mit meiner Familie!“, verkündete Natsuki und lachte wieder. Sie setzte mich ab und nahm mich wieder bei der Hand „Ist es in Ordnung so?“, fragte sie mich fürsorglich und ich nickte daraufhin. Dann schließlich schloss sie die große Tür des Anwesens auf. „Hallo jemand da?“, rief sie als wir das riesige Haus betraten. Ich schaute mich kurz um und sah wie wundervoll schön groß das Foyer dieses Hauses doch war. Schließlich kamen eine Frau und ein Mann durch eine Tür und schauten uns ganz überrascht an. Besonders ich wurde ein wenig beobachtet. Natsuki ließ für einen kurzen Augenblick meine Hand los, schloss die Tür hinter uns wieder und nahm rasch meine Hand wieder. „Hallo Vater. Hallo Mutter…“, begrüßte Natsuki die zwei, für mich, fremden Personen. „Also das ist Yuki, ich habe sie draußen entdeckt im Kyushu-National-Park, wie ihr seht… ist sie etwas verletzt.“ Der Blick ihrer Eltern fiel wieder auf mich, anschließend auf mein verletztes Bein. Sie näherten sich mir mit schnelleren Schritten. Natsukis Hand jedoch ließ ich nicht los. Dann hockten sie sich vor mich, schauten sich die Wunde genauestens an und schließlich nahm mich Natsukis Mutter an meine andere freie Hand und ging mit mir und Natsuki in einen kleineren Raum, eine Liege wie bei einem Arzt stand an der linken Wand und auf der rechten Seite eine Menge Verbandszeug. Ich hatte schon einmal solch einen Raum gesehen, im Kinderheim! Ich war ja schon immer etwas tollpatschig gewesen. So auch im Kinderheim und dort musste ich auch mich öfter auf solch eine Liege setzen und anschließend verarzten lassen. Eine etwas schöne Erinnerung, jedoch glücklich war ich nie dort.

Natsukis Mutter ließ meine Hand los, Natsuki hob mich hoch und setzte mich auf die blaue Liege. Ich schaute sie an. Sie streichelte mir über den Kopf. „Keine Sorge. Dir passiert nichts“, versicherte sie mir. Und ich glaubte ihr. Noch nie fühlte ich mich bei irgendeiner Person so wohl.  Ich war wahrscheinlich sehr lange in meinen Gedanken vertieft, so dass ich nicht merkte wie schnell mir Natsukis Mutter meine Wunde reinigte, desinfizierte und schließlich verband. „So kleines Engelchen“, sagte sie „das wäre es auch schon. Alle wieder heile!“ Ich lächelte sie an. Nun wusste ich woher Natsuki ihre liebe Art hatte. „D-danke.“, stotterte ich. Sie lächelte. „Gerne. Und nenn mich doch bitte Taniki“ Ich nickte. Taniki. Was für ein besonderer Name, dachte ich mir. Ich war mir im Klaren, dass diese Familie einfach wundervoll war. Ich fühlte mich hier geborgen. Ein tolles Gefühl, nach so vielen Jahren. Endlich.

Natsuki trug mich wieder aus dem Raum, anschließend ließ sie mich runter, nahm mich bei der Hand und führte mich in einen weiteren großen Raum, hier stand ein ziemlich großer Esstisch mit ungefähr 10 Stühlen um ihn herum. An der Decke hing ein mit Diamanten besetzter Kronleuchter. Der Tisch war gedeckt. Und es roch ziemlich gut. Doch aus Angst etwas falsch zu machen ließ ich Natsukis Hand nicht los. Ich umklammerte sie schon fast. Anscheinend merkte sie es und sagte mit einer sanften Stimme „Keine Panik meine Kleine, hier bist du sicher.“ Ich strahlte. So gestrahlt aus Freude hatte ich schon lange nicht mehr. Nun kam auch der Vater hinein in den Speisesaal. „Na Willkommen, kleine Maus“, lächelte er. „Angeblich hat dir Natsuki schon diesen atemberaubenden Saal gezeigt.“ Ich schüttelte den Kopf. Natsuki lachte „Nein, nein Papa. Wir sind erst gerade hier reingekommen. Ich wusste du würdest hier her kommen. Immerhin muss die kleine Yuki dich auch noch kennenlernen.“ Die ganze Familie war mir von Anfang an sympathisch. Alle waren so fürsorglich, so nett. Der Vater kam zu mir, hockte sich wieder vor mich hin, nahm meine andere Hand, schüttelte diese und sagte mit einem liebevollen Lächeln: „Schön dich kennenzulernen, Madame Yuki.“ Ich kicherte. Er hatte dies auf eine so lustige Art gesagt. Aber sollte ich wirklich jetzt schon etwas sagen? Ich versuchte es. „D-d-dankeschön….“, für diesen einen Augenblick wurde ich rot. „Es ist aber auch schön, Sie kennenzulernen Herr….“. Ich wusste doch gar nicht wie er hieß! Was sollte ich bloß sagen? Wie ein Gedankenleser, ein Hellseher, ein Mann der in die Zukunft sehen konnte, beantwortete er meine Frage. „Shouoto. Aber nenn‘ mich Benjiro.“ Benjiro. Taniki. Natsuki. Alles so außergewöhnliche Namen und alle mit einer solch schönen Bedeutung. Benjiro mit der Bedeutung „Genieße den Frieden.“ Natsuki heißt so viel wie „Sommerhoffnung“ Jedoch bei Taniki bin ich mir oft noch unsicher. Aber dennoch denke ich, dass all diese Namen eine echt schöne Bedeutung haben. Ich war noch eine Weile in Gedanken vertieft, bewunderte die 3 Namen mit ihren Bedeutungen, die ich so eben kennenlernen durfte. Und war glücklich in solch eine Familie kommen zu können.

elfi.p

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7 Gedanken zu “Teufelsblick Part 1

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