Teufelsblick Part 2

Chapter 2

Ich fing an zu gähnen, die letzten Nächte hatte ich nicht gut und viel geschlafen. Es hatte viel geregnet und gewittert. Natsuki und ihr Vater bemerkten mein Gähnen schnell und schon grinsten sie, alle beide. Ich sah beide verwundert an. Warum grinsten sie bloß so sehr? „Bist wohl müde, kleine Dame?“, fragte mich Benjiro. Ich nickte, meine Augen fielen ein wenig zu und ich bemerkte wie ich langsam immer und immer müder wurde. Dennoch kämpfte ich dagegen an, ich sollte nicht einschlafen, ich wollte doch noch so viel von diesem Haus sehen. Ich war doch erst gerade angekommen. Natsuki streichelte mir über den Kopf, Benjiro sprach mit leisen Worten zu mir „Schlaf ruhig. Der Tag ist noch lang.“ Und ehe ich mich versah, nahm mich Benjiro Shouoto auf den Arm, ich schlief tief und fest ein und wurde in ein Bett getragen was vollkommen weich und gemütlich war.

Jedoch konnte mich dieses ach so weiche und tolle Bett nicht davon abhalten, schlecht zu träumen.

„Nein, nicht!“, rief ich. Doch keiner hörte mich. Ich lief über ein Feld, menschenleer. Das Feld – trocken, beinahe schon ausgerottet. Hier hatte bestimmt schon lange kein Bauer mehr etwas geerntet oder überhaupt gepflanzt. Hinter mir ein Verfolger, ein Schatten, ein Phantom. Ich stolperte mehrmals, aber aufgeben kam mir nicht in den Sinn. „Lauf weiter, Yuki“, spornte ich mich an „rette dich! Rette dich & dein Leben!“ Erneut stolperte ich, blieb hängen. Mein Fuß hatte sich in einer Wurzel verhangen. Die Schnürsenkel meines Schuhs hatten sich mehrmals um die Wurzel verhangen. „Nein…“, murmelte ich verzweifelt. Noch einmal blickte ich nach hinten und sah, wie mein eigenes Leben an mir vorbeisauste. Das Phantom holte auf, warf mich zu Boden und drückte mich mit einer großen Kraft nach unten. Eine Menge Erde wurde aufgewirbelt, eine große Staubwolke umhüllte mich. Das Phantom war nicht mehr erkennbar. Ich hustete, zu viel Staub lag in der Luft. „Vorbei!“, krächzte die Gestalt, die mich noch immer zu Boden drückte. Und dann erstickte ich, langsam und grausam. Es wurde alles schwarz und schließlich leuchteten rote Ziffern vor meinen Augen: 6.8.2013
Verdammt. Ich hatte meinen eigenen Tod vorausgesehen!

Schweißgebadet wachte ich auf. Wie lange hatte ich geschlafen? Welches Datum hatten wir heute? Bitte! Irgendwer! Irgendwer muss dies mir doch verraten können. Natsuki kam ins Zimmer herein. „Na Kleines? Alles in Ordnung?“ Ich nickte zaghaft. Natürlich war nichts ok. Eher alles andere als schön. Verfluchtes Auge – dachte ich mir. Seit ich denken kann, kann ich mit meinem Auge, was glücklicherweise mit einer Augenklappe verdeckt ist, den Tod meines Gegenübers sehen. Todestag, Uhrzeit, Ort. Wenn ich träume, kann ich sogar meinen eigenen Tod sehen, jedoch ändert sich dieser oft. Dies hat einen ganz simplen Grund. Seh ich meinen Tod, muss ich einfach nur kurz darauf jemanden anderen in die Augen schauen, ganz ohne Augenklappe, den Tod des Gegenübers sehen – und ich lebe weiter. Grausam, aber ich bin nun mal zu jung für den Tod. Meine Lebensdauer verlängert sich aber meist nur um einige Monate, mit ein wenig Glück sogar bis zu 2 Jahren. Aber nun hatte ich erneut meinen Todestag vorausgesehen, was sollte ich tun? Ich konnte nicht einfach Natsukis Familie ‚auslöschen‘. Ich musste eine andere Lösung finden.
„Yuki? Hallo? Träumst wohl noch.“, lachte Natsuki. Ach wenn sie doch nur wüsste, dann wär so einiges leichter. Mir fielen wieder die Augen zu. „Nachher…“, murmelte ich und schlief wieder ein.

Diesmal plagten mich keinerlei Träume. Besser gesagt; Ich träumte rein gar nichts. Und das war gut so. Darüber war ich sehr erfreut und hoffte, dass ich für die nächsten Wochen, Monate oder sogar von mir aus Jahre nie mehr träumen würde, denn nur so würde ich von diesem schrecklichen Fluch befreit werden. Zumindest erhoffte ich mir dies sehr.

Ein ganzer Tag ging vorüber und ich wachte nun endlich auf. Ich kannte mich zwar nicht aus in dem Haus jedoch hüpfte ich runter von dem weichen Bett und schlich langsam aus dem Zimmer, ich spähte erst noch aus der Tür und anschließend ging ich hinaus in den Flur, eine Menge Türen sah ich und fragte mich was sich hinter jeder dieser Türen verbarg. Noch ein kleines Weilchen betrachtete ich die Türen, schaute mich um. Wo war ich? Wo war die Treppe, die runter führte? Wo war Natsuki und ihre Familie? Ich fühlte mich so alleine.

Tränen kullerten dem kleinen Mädchen über die Wange „Warum will mich keiner?“, fragte sie die Erzieher. Doch diese schüttelten den Kopf „Es ist nun mal so.“ Schon das zehnte Mal suchte keiner dieses kleine, arme Mädchen aus. „NEIN!“, fing sie an zu schreien „Es ist auch nun mal so, dass ihr einfach nur gemein seid! Ihr erzählt fiese Sachen über mich! Ihr lasst mich alleine! Und das alles nur – weil ihr Angst habt! Ihr habt Angst, dass ich euch umbringe, aber so was mache ich nicht! Ich kann doch gar nichts dafür, dass mich so etwas getroffen hat. Es hätte jeden von uns hier treffen können…. Lasst mein Auge! Lasst mich in Ruhe! Ihr habt ja keine Ahnung!“ Mit diesen Worten verließ das Mädchen das Heim, sie fühlte sich so schrecklich alleine. War sie denn selber schuld? Sie hatte doch keine andere Wahl, schon davor wurde sie allein gelassen. Dieses Mädchen – ja, genau, das war ich.

 eureelfi

Advertisements

6 Gedanken zu “Teufelsblick Part 2

  1. Schöner Teil. 😀 Auch wenn ich das am Anfang mit dem Tod und dem Auge nicht richtig kapiert hab, aber nach einigem wiederholten Lesen hab ich das nach und nach verstanden. ^^
    Wann kommt der nächste Teil? Sonntags oder am Mittwoch? 😮

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s