Teufelsblick 19

Kapitel 19

Wenn es doch bloß Hilfe gab, ein klein wenig Unterstützung, nur ein wenig Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Wir mussten doch bloß einen Weg ins Heim finden. „Yuki. Dir ist klar, wenn du zurück ins Heim gehst, dass sie dich dort wieder aufnehmen werden?“ Daran hatte ich nicht gedacht. Mit meinem zarten Alter von 12 würden sie mich wieder bei sich aufnehmen. Das durfte nicht passieren. Zaghaft schüttelte ich langsam den Kopf. „Das lasse ich nicht zu“, sprach Ryuuji mit einer sanften Stimme „du bist, für mich, wie eine kleine Schwester. Du gehörst zu mir.“ Ein Kichern schaltete sich ein. Selbst Ryuuji hörte es, er zuckte zusammen „Wer ist das?“ „Ich bin ich und ihr seid ihr“, wieder kicherte jemand. Ich erkannte sie sofort. Schlagartig wurde mir klar, dass die Stimme sich auch für Ryuuji öffnete. Auch ich musste anfangen zu grinsen „Das, Ryuuji, ist die Stimme von der ich dir erzählt hab. Sie begleitet mich seit einer Weile. Nun dich auch.“ Er brauchte Zeit um das Ganze zu verstehen, nickte allerdings, weil er scheinbar Angst hatte zuzugeben, dass er die ganze Sache nicht verstand. Sogar die Stimme bekam es mit „Ryuuji, du bist noch immer so schwer von Verstand wie vor einigen Jahren.“ Langsam bekam ich eine leise Ahnung, wer hinter der Stimme steckte. Ryuuji ging aber auf die Offensive und fragte direkt: „Wer bist du, Stimme? Sag es mir, bitte. Ich muss es wissen.“ Wieder lachte sie. „Wenn ich dir das sagen sollte, was bekomme ich dafür?“ „Was möchtest du, Stimme?“ „Löse mir ein Rätsel.“ Verdattert starrte er in die Luft hinein. „Ein Rätsel?! Was für eins?“ „Ein schlichtes Kinderrätsel.“ Daraufhin grinste Ryuuji, natürlich nahm er es an. Was war denn auch schon gegen ein Kinderrätsel einzuwenden? Doch dann verblasste er als die Stimme begann das Rätsel auszusprechen. „Es ist leicht und es ist farblos. Mit anderen Worten, es hat keine Farbe und dennoch kann man es sehen. Es wiegt nichts, und trotzdem macht es jeden Gegenstand leichter. Was ist es?“ Das Rätsel, ich kannte es gut und Ryuuji müsste es auch kennen. Damals ging es im Kinderheim seine Runde, jeder kannte es und jeder fragte sich gegenseitig ab, obwohl keiner so wirklich die Lösung kannte. Nur eine Person kannte die Lösung. Eine Einzige, aber bis heute weiß ich nicht wer diese Person war. „Verdammt“, fluchte Ryuuji „schon damals hab ich es nicht geknackt. Wieso sollte ich es heute lösen können!?“ Ich seufzte, nahm Ryuuji an die Hand und zog ihn, so dass er sich auf meine Körpergröße hinab ließ. „Beruhig dich“, lächelte ich ihn an. Sein Grinsen nahm wieder zu „Alles klar“. Sodann setzte ich mich wieder auf die Wiese, ich wollte mich zurück erinnern an die Zeit im Heim, als das Rätsel rumging. Vielleicht kannte ich ja doch die Lösung. „Denk nach, Yuki, denk nach….“

„Na komm schon Yuki, denk nach“, ständig wurde ich dazu aufgefordert, das Rätsel zu lösen, doch ich verstand es nicht. Nichts und niemand konnte unsichtbar sein, aber dennoch sichtbar.
„Na los Yuki!“ Ich wollte doch ihr Rätsel verstehen doch es ging nicht. Warum war es bloß so schwer? Meine Wangen röteten sich und ich lief hinauf in mein Zimmer.  Keiner sollte sehen wie ich weinte. Keiner. Jemand sagte mir, dass die Lösung einfach sein sollte. Ich musste überlegen, lange und viel. Ich schloss die Tür hinter mir und ging zu einer Truhe die am Fußende meines Bettes stand. Kurz blickte ich nach hinten. Gut, es war niemand zusehen. Ich hob die Truhe an und nahm einen Schlüssel auf, der dort lag wo die Truhe vorher noch draufstand. Anschließend ließ ich die Truhe wieder sanft zu Boden sinken. Ich atmete durch. Dann öffnete ich die Truhe mithilfe des Schlüssels. Der Deckel ließ sich nur schwer heben, doch ich schaffte es. Dann sah ich hinein. 3 Bücher, ein paar Blätter Papier und 2 Stifte. Mehr lag nicht in der alten Kiste. Ich entschloss mich etwas zu malen. Also entnahm ich die paar Blätter und die Stifte aus der Kiste, ich konnte nie gut malen, also würde es bloß ein Gekritzel geben. Die Blätter legte ich auf den Boden und ich ließ mich vor ihnen nieder. Erst malte ich ein Haus danach ein Kätzchen und anschließend ein Mädchen. Die Langeweile holte mich ein und es dauerte nicht lange, da stocherte ich in meinen Zeichnungen auch schon rum. Meine Zeichnungen bekamen viele kleine Striche und Punkte ab. Ab und zu entstanden auch kleine Löcher wegen der spitzen Bleistiftmine. Ich hob die Zeichnung hoch und hielt sie in Richtung Fenster. Das Sonnenlicht leuchtete durch die kleinen Löcher im Blatt. Das war es. Unsichtbar und doch sichtbar. Wiegen nicht und machen das Blatt Papier dennoch leichter. Ich hatte die Lösung herausgefunden, aber ich würde es für mich behalten. Ich schwor es, ich würde nichts und niemanden von der Lösung verraten…bis in alle Ewigkeit.

Ich kannte sie tatsächlich. Die Antwort des Rätsels. „I-i-ich kenne sie…“, stammelte ich. Ryuuji schaute zu mir hinunter. „Was kennst du?“ „Die Lösung“, flüsterte ich. „Ich wusste es!“, lachte die Stimme „Yuki, die kleine Geheimnisvolle. Das hab ich von dir erwartet.“ Ich nickte „…ich werde sie euch aber nicht erzählen…“ „Was?!“, staunte Ryuuji „Bist du bescheuert?! Da haben wir mal die Chance den Namen der mysteriösen Stimme herauszufinden und du willst die verdammte Antwort nicht rausrücken?! Du hast sie doch nicht mehr alle…“ „Hey hey“, meldete sich die Stimme zu Worte „Nicht so aggressiv!“ ich senkte meinen Blick, schaute hinab auf meine Füße und dachte nach. Ich hab es mir doch geschworen, ich darf das nicht, egal wie lang es schon her war. Nur, das war es ja, es war schon so lange her, war es denn nicht in Ordnung gewesen nachzugeben? Ich war zu verwirrt. Sollte ich oder lieber nicht?

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